Der Bundschuh im Breisgau 1513

Festakt zum 500-jährigen Bundschuhjubiläum am 2. März 2013.
Bundschuher wollten keine Herren außer Papst, Kaiser und Gott

Gegen die Willkür der Obrig- oder Ehrbarkeit.


Thomas Hammerich, Vorsitzender des Kultur- und Geschichtskreises, eröffnete den Festakt zum 500-jährigen Bundschuhjubiläum. Bernhard Schätzle, Ortsvorsteher aus Lehen begrüßte die Ehrengäste: Neben Oberbürgermeister Dieter Salomon und mehreren Stadträt(inn)en war eine Delegation aus Untergrombach angereist, der Heimat gaben sich auch Prof. Horst Buszello (Vortrag Prof. Masahisa Deguchi aus Japan sowie der Politologe und Soziologe Thomas Adam, der den Festvortrag »Für Freiheit und Gerechtigkeit, Jos Fritz und der Bundschuh im Breisgau 1513« übernommen hatte. Zum musikalischen Auftakt bot Dirigent Wilhelm Schmid mit seinen Lehener Musikern die Sätze »basse danse«und »saltarello« eines Komponisten aus dem 16. Jahrhundert.

 

OB Salomon war gekommen, um das Andenken an die Freiheitskämpfer hochzuhalten. Das von Jos Fritz und seiner Bauernbewegung auf der Hartmatte zwischen Lehen und Betzenhausen propagierte freiheitliche Gedankengut habe sich bis in die heutige Zeit fortgepfanzt und in den Bauernkriegen und der Revolution von 1848 erste Höhepunkte erreicht.

 Die Bundschuher hätten jedoch die bestehende Ordnung nicht in Frage gestellt, sie kämpften vor allem gegen die Willkür der Obrigkeit aus Adel und Geistlichen.


Bernhard Schätzle verglich Jos Fritz mit Robin Hood, von Zeitgenossen »teuflischer Eingebungen« geziehen worden, später aber sehr geachtet. Er habe lediglich Minimalforderungen an die Obrigkeit gestellt. Dazu gehörten unter anderem, dass »Vögel, Fische, Wald und Holz« den Armen und Reichen gleichermaßen gehören sollten. Gleichzeitig dankte Bernhard Schätzle den vielen engagierten Bürgern aus Lehen und Betzenhausen, die es ermöglichen, das Bundschuhjahr so vielfältig und ideenreich zu gestalten.

Der Projektchor, gebildet aus Sänger(inne)n der Lehener und Betzenhausener Chöre, erfreute mit einem Madrigal unter der Leitung von Bernhard Moncado.

 


Den Festvortrag hielt Thomas Adam, Autor des neu bearbeiteten Buches »Jos Fritz, das verborgene Feuer der Revolution«. Er gilt als einer der besten Kenner der Materie. Die meisten Bauern gehörten, obwohl es auch arme Tagelöhner gab, der Mittelschicht an. Sie waren zugleich die größte Bevölkerungsgruppe der damaligen Zeit, jedoch von allen
wichtigen Rechten und sozialem Aufstieg ausgeschlossen. Durch viel zu hohe Zinslasten sei der Abstieg zum Bettler ständige Abstieg zum Bettler ständige Drohung gewesen.

Für die damals aufstrebenden Juristen waren die Bauern leichte Beute.


Die Geschehnisse des Bundschuh, so betonte Adam, hätten zu Recht ihren Niederschlag in den Geschichtsbüchern gefunden. Freiheit und Gerechtigkeit hätten eine zentrale Rolle gespielt. Gerade diese Forderung seien der Grund, weshalb man sich an Jos Fritz erinnere. Darin läge auch das Potential für den Anstoß zum Nachdenken. Der Bundschuh gehöre zur deutschen  Freiheitsbewegung. Dem Referenten wurde für seinen temperamentvollen Vortrag mit tosendem Beifall gedankt.

Der Bundschuh von 1513 scheiterte, so ergänzte Thomas Hammerich, und endete mit Todesurteilen für die Bauern. Rechne man die Bauernkriege dazu, so müsse man wohl 50000 tote Bauern beklagen. Dennoch sei bei der Regierung die Angst vor einer Empörung des Volkes umgegangen und man habe sich deshalb zu pragmatischem Umgang mit dem »gemeinen Mann« gezwungen gesehen. Aus Furcht vor neuen Bundschuhaufständen warnten die Reichsstände deshalb vor einer Bekämpfung Martin Luthers.


Zum Schluss dankte Hammerich herzlich den vielen Helfer(inne)n für den gelungenen Festabend. Den musikalischen Schlusspunkt setzte gewohnt hervorragend die Orchestergemeinschaft Seepark unter der Leitung von Michael Schönstein. Danach konnten sich die Besucher im Foyer an der Moritat des Jos Fritz, vorgetragen vom Wilden Haufen Betzenhausen, erfreuen oder sich ein Exemplar desJos-Fritz-Buches von Thomas
Adam signieren lassen. Dazu wurde eine sehr informative Ausstellung über die gesamte
Bundschuhbewegung im Breisgau gezeigt, die ein Team des Kultur- und Geschichtskreises
unter Leitung von Dr. Thomas Hammerich erarbeitet hatte.

 

Sage und schreibe 1.500 Kanapees, Bundschuhbier in Bundschuhkrügen, weitere Getränke
aller Art und Hefezopf standen für die Gäste bereit. Noch lange wurde in kleinen Gruppen
gefeiert, diskutiert oder man ließ den gelungenen Festabend nochmals Revue passieren.

 

Text: Harald Albiker, Fotos: Stefan Grugel


Beitrag aus Bürgerblättle 219, April / Mail 2013